Ortstermin: JuPiD 2015 – Jugend und Politik im Dialog – „Setzt die Jugendbrille auf!“

Was braucht es, damit Jugend und Politik sich besser verstehen? Das diskutierten am 8. Juni rund 50 Jugendliche aus ganz Deutschland im Berliner Pfefferberg. „JuPiD – Jugend und Politik im Dialog“ geht in die zweite Runde und euroBBa.de war mit dabei.

Lautes Lachen erfüllt den sonnigen Hinterhof des Berliner Pfefferbergs. Die rund 50 Teilnehmer_innen des zweiten deutschsprachigen Jugendevents zum Strukturierten Dialog haben gerade das Warm-up beendet. Simon Dümig und Christine ( „Chrissy“) Pollithy sind zwei der drei deutschen Jugendvertreter_innen bei den EU-Jugendkonferenzen und erklären den aufmerksamen Zuhörern, wie der Strukturierte Dialog funktioniert, bei dem es darum geht, „Europa jugendfreundlicher zu gestalten“. Über den Strukturierten Dialog können Jugendliche an der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland und Europa mitwirken.

Was passiert mit den Empfehlungen?

Rege Diskussionen unter den Teilnehmenden (Foto: Yana Wernicke)

Rege Diskussionen unter den Teilnehmenden (Foto: Yana Wernicke)

Die vom Deutschen Bundesjugendring organisierte Veranstaltung JuPiD 2015 diskutiert die Vorschläge zur Verbesserung der Jugendbeteiligung aus der zweiten Jugendkonferenz in Riga sowie die Ergebnisse der Beteiligungsrunde in Deutschland.

In dieser Feeedbackphase erhalten die ausgearbeiteten Empfehlungen den „Realitätscheck“. „Die Ideen werden hier verfeinert und überprüft, ob wir alles richtig gemacht haben“, erklärt Simon. Doch „was passiert dann mit den Empfehlungen?“, fragt eine Teilnehmerin. Diese gingen an den EU-Jugendministerrat und würden dann in die einzelnen Länder zurückgespiegelt, erläutert Chrissy. Da leider nach wie vor keine Verbindlichkeit bestünde, sei dies immer noch ein Knackpunkt, an dem „gearbeitet werde“.

„Es ist wichtig, sich auf Augenhöhe zu begegnen“

Mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesjugendministerium, Carmen Marks, geht der Dialog zwischen Jugend und Politik später in die Praxis. Rund eine Stunde nimmt sich das Mitglied der SPD Zeit, um mit den Teilnehmer_innen zu diskutieren. Marks lobt das Engagement der Jugendlichen, die „für eine lebendige Demokratie eintreten“. Gleichzeitig betont sie die Wichtigkeit, „sich auf Augenhöhe zu begegnen“, was leider momentan viel zu selten geschehe.

Die Diskussionspunkte:

  • #Hürden: Wie können Hürden für die Beteiligung von Jugendlichen abgebaut werden?
Diskussion mit StS Carmen Marks (Bildmitte, Foto: Yana Wernicke)

Diskussion mit Staatssekretärin Carmen Marks (Bildmitte, Foto: Yana Wernicke)

Wichtig sei, einen wirklichen Dialog zu schaffen, so Marks. Die direkte Kommunikation fehle noch zu oft, gleichzeitig müssten auch Politiker eine gewisse Empathie entwickeln. Marks fordert ein „Empowerment von Politikern“, nicht nur von Jugendlichen.

  • #Beteiligung in Schulen: Wie können mehr Beteiligung und mehr Informationen in der Schule geschaffen werden?

Die Jugendlichen wünschten sich mehr Informationen beispielsweise über lokale Vereine, die in den Lehrplan integriert werden könnten. Dass dies ausbaufähig sei, bestätigt die Staatssekretärin. Politische Bildung solle mehr in den Mittelpunkt rücken. „Demokratie lernen“ müsse intensiver in den Schulen stattfinden, so Marks. Man könne beispielsweise Planspiele schon in der 8. Klasse durchführen, schlagen die Teilnehmenden vor. Solche Planspiele, welche die Demokratieprozesse anschaulich darstellen, sieht auch Marks als geeignetes Mittel, um Wissen nachhaltig zu vermitteln. In Zukunft müssten solche Möglichkeiten mehr ausgebaut werden, betont sie.

  • #Jugendbeteiligung: Sie sollte gesetzlich verankert sein. Wann wird der Jugend-Check eingeführt?
Die Gruppendiskussionen bei JuPiD (Foto: Yana Wernicke)

Die Gruppendiskussionen bei JuPiD (Foto: Yana Wernicke)

Der Jugend-Check ist im Koalitionsvertrag verankert und soll politische Vorhaben auf Jugendgerechtigkeit überprüfen. Dieses Vorhaben, das Themen „mit der Jugendbrille“ sehen soll, wird laut Marks hoffentlich im nächsten Jahr eingeführt.

In puncto Jugendbeteiligung verweist die Staatssekretärin darauf, dass es Kommunen gäbe, in denen das Jugendparlament wirklich etwas bewegt. Anderswo funktioniere das leider nicht so gut.

  • #Inklusion ethnischer Minderheiten

In den Verbänden wie dem JRK oder den Jugendringen seien ethnische Minderheiten unterrepräsentiert, kritisiert ein Teilnehmer. Er schlägt vor, Evaluationskriterien zu ändern, sodass unterrepräsentierte Verbände keine Gelder mehr bekämen. Von solchen Quoten hält Marks hingegen nichts. Sie verweist auf die existierende Vielfalt in den Jugendverbänden.

  • #Austausch: Wie können sich Jugendliche auf Augenhöhe auf Landes- und Bundesebene austauschen?

Hier sei der Deutsche Bundesjugendring ein wichtiger Ansprechpartner, die AG „Jugend gestaltet Zukunft“ wurde geschaffen, um die Belange Jugendlicher in die Demografiestrategie der Bundesregierung einzubringen.

Infiziert die Leute!

Nach Abschluss des „Dialoges auf Augenhöhe“, ermuntert Marks die Jugendlichen, „Leute zu infizieren, mitzumachen.“ Die Jugend müsse Demokratie laut einfordern, „jeder einzelne muss eine Haltung zu bestimmten Themen haben.“ Auch die Jugendlichen geben der Staatssekretärin einen Wunsch mit auf den Weg: Bei der nächsten Jugendkonferenz solle ein Vertreter aus dem Jugendministerium sprechen und kein Botschafter, so wie es im März in Riga geschah.

Wie es im Strukturierten Dialog weitergeht, erfahrt Ihr auf www.strukturierter-dialog.de. Allgemeine Infos findet Ihr hier auf euroBBa.de.

Text: Victoria Scherff
Fotos: © Yana Wernicke / DBJR