Europa, gleich um die Ecke: Zu Besuch im Centre Français

Von Frankreich und Deutschland wird viel erwartet in Europa: Der „Motor der europäischen Integration“ seien diese beiden Länder. Tatsächlich sind Deutschland und Frankreich heute sehr eng verbunden. Ein Beispiel dafür ist unser erster Halt auf unserer Reportage-Reihe „Europa, gleich um die Ecke“. Wir beginnen im Centre Français de Berlin (CFB). Wo sonst ließen sich unsere Nachbarinnen und Nachbarn schließlich besser kennenlernen?

Das Centre Français mit Eiffelturm und Bücherbox im Vordergrund (Foto: Frank Segert - CC-BY-SA)

Das Centre Français mit Eiffelturm und Bücherbox im Vordergrund (Foto: Frank Segert – CC-BY-SA)

Kaum aus der U-Bahn ausgestiegen, ist schon der Eiffelturm zu sehen. Zugegeben, er ist etwas kleiner als das Original, aber die französischen Fahnen und die großen Schriftzüge bedeuten uns, dass wir hier richtig sind. Florian Fangmann, der Geschäftsführer des Centre Français, begrüßt uns.

Betritt man das Gebäude an der Müllerstraße im Wedding, so wundert man sich zu Beginn. Zwar prangt in Großbuchstaben „Centre Français“ auf dem Haus, jedoch findet sich im Foyer eine Hotelrezeption. Im Vorgarten warten an diesem kalten November-Vormittag eine Bar-Terrasse und leere Kino-Programmtafeln auf Besuch.

Fangmann klärt uns auf: Das Haus wurde in der 1960er Jahren als Kulturzentrum im damals französisch verwalteten Sektor West-Berlins mit Kinosaal, Bibliothek und Unterkunft für die Familien von französischen Soldaten oder für Schulklassen gebaut. „In der Gemeinschaftsküche haben Hausfrauen aus dem Wedding französische Spezialitäten kennengelernt,“ erzählt er. Nach dem Abzug der französischen Soldaten dauerte es ein wenig, bis sich der Nebel lichtete und das Centre Français als deutsch-französisches Kulturzentrum in Trägerschaft der Stiftung SPI und des Zentrums für Internationalen Austausch (CEI) in Paris entstand, aber der Kinosaal wurde über die Jahre erhalten und als Kino oder Theatersaal benutzt. Momentan wird dieser Teil des Hauses saniert und soll im nächsten Jahr wieder zur Verfügung stehen.

Von Tandem und Voltaire – die Projekte des Centre Français

Screenshot: "Wer lernen will, muss reisen" (© CFB)

Screenshot: „Wer lernen will, muss reisen“ (© CFB)

Welchen Beitrag leistet denn das CFB nun zum Kennenlernen unseres Nachbarlandes? Mit dem Titel des selbst produzierten Films „Wer lernen will, muss reisen“ ist diese Frage schon ziemlich gut beantwortet. Das Centre Français fördert den deutsch-französischen Austausch, indem es Jugendliche und Fachkräfte dabei unterstützt, einen Auslandsaufenthalt in Frankreich zu organisieren. Im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft organisiert das CFB den Austausch mit der französischen Hauptstadt Paris und wird dabei finanziell vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) unterstützt.

Wenn Schülerinnen und Schüler zwischen der 8. und 10. Klasse sechs Monate in Frankreich verbringen möchten, ist das Austauschprogramm des Deutsch-französischen Jugendwerks „Voltaire“ genau die richtige Adresse. Voltaire beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit, das heißt, die Schüler_innen, die sechs Monate bei einer Gastfamilie in Frankreich verbringen und dort die Schule besuchen, nehmen im Anschluss auch in Deutschland eine_n französische_n Schüler_in auf und teilen mit ihnen die Schulbank. Seit 2010 übernimmt das CFB die Durchführung des Programms im Auftrag des DFJWs.

Projektabschluss der Street Embassy auf der Grand Fête Populär in Paris (Foto: © DFJW / OFAJ, Prisca Martaguet)

Die Street Embassy auf der Grand Fête Populär, Paris (Foto: © DFJW/OFAJ, Prisca Martaguet)

Im Rahmen des Tandems Paris-Berlin nehmen Jugendliche und Fachkräfte jedes Jahr an Dutzenden von außerschulischen Projekten teil. Ob HipHop-Crews oder Bäckerei-Lehrlinge – sie alle finden sich unter den Teilnehmenden der letzten Austausch-Projekte. Dabei öffne sich das Haus zunehmend dritten Ländern, mit denen es Projekte durchführe. So hätten zum Beispiel auch eine Theaterbegegnung in der Normandie mit englischen und ein Zirkusprojekt mit polnischen Jugendlichen stattgefunden. Übrigens: Jugendlichen und Fachkräften von neuen Trägern stünden die Informationen und die Beratungsangebote natürlich ebenfalls offen, führt Fangmann aus.

„Wurst kennt keine Grenzen“

Allein im Jahr 2013 waren es über 30 Austauschprojekte, berichtet er. Die schönste Anekdote aber stammt aus dem letzten Jahr. Schon auf dem Weg ins Büro fällt das Plakat auf dem Flur ins Auge. Nun erzählt Fangmann vom Hintergrund des Projekts „Wurst kennt keine Grenzen“: Das Projekt, ein Austausch von Lehrlingen aus Fleischerei-Betrieben, fand im Rahmen der Städtepartnerschaft von Berlin und Paris statt.

Von UdK-Studierenden entworfenes Poster zum CFB-Austausch (Grafik: © CFB)

UdK-Studierende entwarfen das Austausch-Poster (Grafik: © CFB)

Und welche kulinarische Spezialität kann man Gästen in Berlin ans Herz legen? Richtig, die Currywurst. Gemeinsam erkundeten die Teilnehmenden die Herstellung. Am Ende verkauften sie auf dem Pariser Rathausplatz beim Europafest 2500 Berliner Currywürste.

Auch wenn diese Geschichte vielleicht zum Schmunzeln anregt, ist der Kern der Begegnung doch der gleiche wie in jeder anderen Begegnung auch: Interkulturelle Kompetenzen ausbauen, Sprachvermittlung, die eigene Komfortzone verlassen und Unbekanntes erkunden. Gerade im Hinblick auf die allenthalben geforderte Beschäftigungsfähigkeit junger Menschen wird diesen Soft Skills zusehends mehr Bedeutung beigemessen.

Unterstützung in der Vorbereitung von Praktika und Auslandsaufenthalten in Frankreich

Wer also einen Auslandsaufenthalt für ein Praktikum, Sprachkurse oder gar eine Anstellung sucht, kann sich im CFB auch beraten lassen. Das Vermittlungsbüro steht jungen Leuten zwischen 18 und 30 Jahren mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, die richtigen Kontakte in Frankreich ausfindig zu machen, die Bewerbungsunterlagen an die französischen Anforderungen anzupassen oder gegebenenfalls bei der Recherche für einen Praktikumsplatz zu helfen.

Im CFB ist auch Platz für Seminare und Fortbildungen (Foto: © CFB)

Im CFB ist auch Platz für Seminare und Fortbildungen (Foto: © CFB)

Jedoch hat das CFB natürlich ein Interesse daran, dass das Engagement im deutsch-französischen Bereich nicht individuell und punktuell bleibt. Gerade in der Jugendarbeit gibt es bereits ein gewachsenes Netz an Partnerschaften, zu dem das Centre Français nach Kräften beiträgt. Im Auftrag des DFJW organisiert es das Netzwerk „Diversität und Partizipation“, welches sich nicht nur einmal jährlich trifft, sondern beständig Projekte initiiert. „Ich glaube, das ist ein sehr interessanter Einstieg für alle, die sich mit internationaler Jugendarbeit beschäftigen und Kontakte zu französischen Institutionen und Partnern ausbilden wollen.“

In dem Netzwerk treffen sich Fachkräfte aus Brandenburg und Berlin auf deutscher sowie aus Paris und Ile-de-France auf französischer Seite. Das Treffen im Jahr 2014 soll aller Voraussicht nach in Brandenburg stattfinden, aber Details werden noch nicht verraten. Nichtsdestotrotz könnt Ihr das Centre Français im Norden Berlins jederzeit um Informationen und Unterstützung bitten, wenn Ihr deutsch-französische Projekte initiieren wollt. Von den nächsten Projekten des CFB erfahrt Ihr beizeiten nicht nur auf centre-francais.de, sondern auch bei uns auf euroBBa.de.

Kontakt:
Florian Fangmann
Centre Français de Berlin gGmbH
Müllerstrasse 74 | 13349 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 – 45 97 93 99 | Fax : +49 (0) 30 – 45 97 93 55
E-Mail: info@centre-francais.de
Web: www.centre-francais.de | Facebook | Twitter | Youtube

Text: Frank Segert / euroBBa.de / CC-BY-SA
Grafiken / Fotos mit freundlicher Genehmigung wie angegeben