Europa, gleich um die Ecke IV: Zu Besuch im Europäischen Haus in Berlin

Wo könnte unsere Reportage-Reihe besser enden als im Europäischen Haus? Im Herzen Berlins weht die Fahne der Europäischen Union an vielen offiziellen Gebäuden, aber am Europäischen Haus wird sie nicht von Flaggen Deutschlands oder Berlins begleitet. Unmissverständlich signalisiert der Sternenring auf blauem Grund: Hier geht’s nach Europa!

Das Europäische Haus an einem Dezembermorgen, bevor sich die Touristenströme über die Straßen ergießen.

Das Europäische Haus an einem Dezembermorgen. (Foto: Frank Segert / euroBBa.de / CC-BY-SA)

Es ist kurz vor Weihnachten, der große, prächtig geschmückte Tannenbaum auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor ist mit wenigen Schritten zu erreichen, aber aus dem Fenster des Europäischen Hauses blickt man stattdessen auf die riesige Baustelle der U-Bahn-Linie 55. Was genau macht dieses Haus nun „europäisch“? Doch nicht die Adresse in der Nähe der Botschaften Frankreichs und Großbritanniens?

Nein, Unter den Linden 78 befinden sich vielmehr die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, das Informationsbüro des Europäischen Parlaments und der Europapunkt, der dem Publikum offensteht.

Für die allermeisten Europa-bezogenen Fragen kommt der Europapunkt als erste Anlaufstelle in Frage. Hier finden sich zahlreiche Info-Broschüren zu den unterschiedlichsten Themen und die hilfsbereiten Mitarbeiter_innen werden bei Fragen nach Kräften versuchen, weiterzuhelfen. Dass in dem offenen Besucherzentrum keine tiefgehende Antragsberatung für Förderanträge von JUGEND IN AKTION stattfinden kann, sollte sich von selbst verstehen. Wer aber – das ist kein Verbrechen – völlig ohne Vorkenntnisse zu bestimmten europäischen Themenkomplexen das Haus betritt, wird im Info-Zentrum erste Broschüren mit Kontaktdaten und Internetadressen zur weiteren selbstständigen Recherche versorgt.

Normalerweise ist der Europapunkt täglich geöffnet. Zu gerne hätten wir aktuelle Fotos aus dem Europapunkt mitgebracht, die neuen lettischen Euro-Münzen begutachtet oder kontrolliert, ob auch nirgendwo die 28. Fahne, nämlich die des neuen Mitglieds Kroatien, vergessen wurde. Jedoch ist der Europapunkt bei unserem Besuch leider wegen einer Veranstaltung geschlossen. Pech.

Vertretung = Botschaft ?

Dafür sind wir zwei Stockwerke höher hinter den Kulissen verabredet. Nikola John aus der Presse- und Dina Behnke aus der Kommunikationsabteilung der Kommissionsvertretung empfangen uns. Wir beginnen gerade heraus: Wozu ist es eigentlich gut, dieses Brüsseler Haus hier mitten in Berlin?

Blick ins Fenster des Europapunkts: "Wie kann ich als Jugendlicher eine Zeit im EU-Ausland verbringen?"

Blick ins Fenster des Europapunkts: „Wie kann ich als Jugendlicher eine Zeit im EU-Ausland verbringen?“ (Foto: FS / euroBBa / CC-BY-SA)

Schon werden wir korrigiert, im Haus sei ja nicht nur die Vertretung der Europäischen Kommission, die in Brüssel ansässig ist. Das Parlament informiere hier schließlich auch mit seinem Informationsbüro und der Europapunkt wird formell von beiden Institutionen betrieben. Aber natürlich hat die Frage ihre Berechtigung, schließlich sieht man dem Haus von außen nicht an, was drinnen geschieht: „Die Vertretung der Europäischen Kommission arbeitet ein bisschen wie eine Botschaft eines Landes. Wir erklären die Politik der Kommission den Bürgerinnen und Bürgern, den Bundestagsabgeordneten und auch den Abgeordneten in den Bundesländern. Gleichzeitig sprechen wir mit den Kolleginnen und Kollegen in Brüssel darüber, was die Leute in Deutschland bewegt und was hier über die Politik der Kommission gedacht wird,“ erklärt Frau Behnke.

Schön und gut, aber das kann doch nicht nur an einem Ort geschehen? Natürlich nicht: Im Vorfeld der Europawahlen finden deutschlandweit eine Reihe von „Bürgerdialogen“ statt, wie mir Frau John und Frau Behnke erklären. Diese etwas steif betitelten Veranstaltungen richten sich zwar nicht explizit an Jugendliche, aber junge Gesichter sind genauso willkommen wie alle anderen Altersgruppen auch. Vertreter_innen aus dem Europäischen Parlament, der Europäischen Kommission sowie aus dem Bundestag stellen sich dort den Fragen aus dem Publikum. In Potsdam etwa ging es im Oktober 2013 um Energiepolitik in Europa.

Information, Kommunikation, Unterstützung

Die aktuelle Ausgabe der EU-Nachrichten, kostenlos als Newsletter bestellbar

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Weil Veranstaltungen dieser Größenordnungen mit ganz erheblichem Organisationsaufwand und Kosten verbunden sind, finden sie zugegeben auch nicht alle Tage statt. Wer jedoch richtig tief in die aktuellen Hintergründe und Entwicklungen europäischer Politik einsteigen möchte, denen macht die Kommission ein einfaches, aber attraktives Angebot. Per E-Mail kann man sich kostenlos den Newsletter abonnieren, der das Neueste aus der politischen Sphäre Brüssels täglich oder alle zwei Wochen in Form der „EU-Nachrichten“ in deutscher Sprache liefert. Für EU-Enthusiasten, interessierte Studierende und Spezialistinnen. Schulen können die Printausgabe übrigens sogar kostenlos beziehen!

Interessanter für die Jugendarbeit ist da schon, dass die Vertretung der Kommission in Deutschland auch ausgewählte Jugendprojekte unterstützt und vor allem Informationen zu aktuellen Ausschreibungen und Wettbewerben der Europäischen Kommission in Brüssel vermittelt. Grundsätzlich denkbar sei auch die Nutzung der Räumlichkeiten im Europapunkt für EU-bezogene, öffentlichkeitswirksame Projekte. Jedoch seien auch für solche Pläne die Ressourcen begrenzt.

Ein schönes Beispiel für eine erfolgreiche etablierte Partnerschaft ist zum Beispiel das Europafest im FEZ, dessen Termin auch für 2014 bereits feststeht: Am 10. und 11. Mai dreht sich in der Wuhlheide auch für die Kleinsten alles um die EU. Ebenfalls gewachsen ist die Unterstützung des Europäischen Jugendparlaments; ein Forum, das Schüler_innen der Oberstufe und Studierenden bis 22 Jahren die Möglichkeit bietet, die spannenden Facetten europäischer Politik zu entdecken.

Screenshot: www.facebook.com/eu.kommission

Screenshot: www.facebook.com/eu.kommission

Ganz aktuell weist uns Frau John auf das European Youth Event hin, das im Mai in Strasbourg stattfinden wird. Gruppen ab 10 jungen Leuten können sich dort kostenlos anmelden und mit bis zu 5000 Teilnehmenden aus dutzenden Ländern über aktuelle europäische Belange diskutieren. Über Projekte wie dieses informiert die Vertretung natürlich auch im Netz, jedoch müssen wir gestehen: Auf ihrer Website verirren sich selbst Netz-Bewohner_innen häufiger im babylonischen Sprachengewirr der EU als es einem lieb sein kann. Profi-Tipp: In kleinen Dosen führt die Vertretung der Kommission via Twitter und Facebook immer direkt ans Ziel. Ausprobieren!

Was ist zu tun vor den Europa-Wahlen 2014?

Im Vorfeld der Europawahlen im Mai 2014 werden auch die sozialen Medien noch einmal stärker in den Fokus rücken. Jugendliche sollen dazu angeregt werden, sich mit der Wahlen zum Europäischen Parlament und der EU auseinanderzusetzen. Prominente Statements sollen zu eigenen Aussagen und Diskussion motivieren. Außerdem sind eine Beilage zu einem Magazin für Kinder sowie eine Kooperation mit einem Studierendenmedium in Planung.

Das alles um die Aufmerksamkeit auf eine Wahl zu lenken, bei der es mehr denn je zu entscheiden gibt, schließlich ist das Europäische Parlament mit mehr Kompetenzen ausgestattet als je zuvor – nur scheint das immer weniger Menschen zu interessieren. Als wir mit Frau John zum Ende unseres Treffens doch etwas ins Plaudern geraten, wird auch sie deutlich: „Die Menschen sagen häufig ‚Brüssel macht…‘, aber Brüssel macht gar nichts. Brüssel ist die Hauptstadt von Belgien.“ Was in der EU geschehe, liege viel mehr an uns Bürgerinnen und Bürgern. Wenn wir die Möglichkeit dann nicht nutzen, bei einer europäischen Wahl unsere Stimme abzugeben, verspielen wir eine unserer einfachsten Möglichkeiten zur Mitsprache. Die Ausrede, sich nicht gut informiert zu fühlen, zählt nicht. Denn Fragen kann man stellen. Zum Beispiel Unter den Linden 78, in sozialen Netzwerken oder per Brief und E-Mail an Eure Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Los geht’s!

Kontakt
Europa-Punkt im Europäischen Haus
Unter den Linden 78 | 10117 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 – 22 80 – 29 00
E-Mail: info@europa-punkt.de
Web: www.ec.europa.eu/deutschland | www.europarl.de | www.facebook.com/eu.kommission | www.facebook.com/EP.Informationsbuero.fuer.Deutschland | @europa_vor_ort

Text: Frank Segert / euroBBa.de / CC-BY-SA
Grafiken wie angegeben