Europa, gleich um die Ecke III: Zu Besuch im Europe Direct Information Centre Frankfurt/Oder

Bislang haben wir auf unserer kleinen Reportage-Reihe durch Berlin-Brandenburg mit dem Centre Francais de Berlin und dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk Einrichtungen besucht, die sich dem bilateralen Austausch zuwenden. Nun widmen wir uns dem großen Thema Europa – wie wir uns dem annähern können, haben wir in Frankfurt an der Oder herausgefunden. Beim Besuch des Europe Direct Information Centers.

Wegweiser in Słubice an dem nebligen Tag unseres Besuchs (Foto: Frank Segert / euroBBa.de / CC-BY-SA)

Wegweiser in Słubice an dem nebligen Tag unseres Besuchs (Foto: Frank Segert / euroBBa.de / CC-BY-SA)

Es gibt wenige Orte, an denen so richtig deutlich wird, was das Zusammenwachsen der Staaten in Europa bedeutet. Frankfurt/Oder ist einer dieser Orte. Wo früher Grenzhäuschen standen, heißt es heute freie Fahrt. Eine Buslinie verbindet die Stadt auf der deutschen Seite des Flusses mit dem polnischen Słubice.

Bei unserem Abstecher in die Stadt nutzen wir die Möglichkeit, in der Uni-Mensa auf der deutschen Oder-Seite zu essen, um mit Erstaunen festzustellen, dass wir uns bereits im polnischen Handy-Netz aufhalten. In 500 Metern Luftlinie, im Uni-Gebäude auf der polnischen Seite, sind wir wiederum im Heimat-Netz unterwegs. Roaming und Gebühren für Auslandsnutzung werden bald genauso verschwunden sein wie die Grenzkontrollen, wenn es nach der Europäischen Kommission geht.

Womit wir beim Thema wären, das uns an diesem Tag in die Stadt geführt hat. Wir sind verabredet im Europe Direct Information Centre (EDIC) von Frankfurt/Oder. Margit Kurth empfängt uns in den Räumlichkeiten im Haus der Künste, das unmittelbar in der Innenstadt liegt. Das EDIC sei nur eine von mehr als 400 Einrichtungen des Europe Direct Netzwerkes in der gesamten EU, erklärt sie uns gleich zu Beginn. Allein in Brandenburg gibt es drei Info-Zentren: Neben Frankfurt/Oder befinden die sich in Brandenburg an der Havel und in Potsdam. Dazu kommt ein weiteres EDIC in Berlin.

Logo: Europe Direct Frankfurt/OderDie EDICs sind regionale Anlaufstellen in allen Angelegenheiten rund um die Europäische Union. Sie wenden sich an alle Interessierten und Neugierigen: Jugendliche und Aktive der Jugendarbeit genauso wie die Seniorin, die über ihre Verbraucherrechte bei im Ausland getätigten Einkäufen informiert werden möchte, oder den Reisenden, der sich nicht mehr ganz entsinnen kann, wie das nun war mit den Grenzen des Schengen-Raums.

Die Themenbandbreite spiegelt sich in dem Raum wieder. Die Wände sind voller Regale und Schränke aus denen Broschüren, Bücher, Hefte und Plakate zu jedem nur erdenklichen Thema ragen. Hier finden Studierende erste Recherchehilfen, hier erhalten Auszubildende und Betriebe Informationen zu Auslandspraktika in der EU und Fachkräfte sowie Eltern können sich mit kostenlosen Spielen für ihre Kinder eindecken.

Zusammenarbeiten in der Euroregion Viadrina

In Frankfurter Büro tritt der grenzübergreifende deutsch-polnische Aspekt der Informationsarbeit sehr stark in den Vordergrund. „Das nächste EDIC in Polen ist erst in Zielona Góra, das sind 80 Kilometer von Slubice. Deshalb bemühen wir uns, so viel Material wie möglich auch auf Polnisch vorzuhalten,“ erzählt Frau Kurth. Die deutsch-polnische Kooperation liegt allen am EDIC Beteiligten ohnehin am Herzen, schließlich ist der Träger des Frankfurter Büros, der Mittlere Oder e.V., im Rahmen des deutsch-polnischen Gemeinschaftsprojekts Euroregion Viadrina seit 20 Jahren in grenzüberschreitenden Kooperationen tätig.

Für das nächste Jahr haben sich die EDICs links und rechts der Oder ein großes gemeinsames Projekt vorgenommen. Gemeinsam mit der Jungen Europäischen Bewegung Berlin-Brandenburg und dem Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrum wollen sie die Simulation des Europäischen Parlaments in der Region mit deutschen und polnischen Schüler_innen durchführen. Die Planungen dafür laufen.

Bereits in die Tat umgesetzt wurde allerdings das Konzept der „Bürgerforen“, welche die drei Brandenburger EDICs bereits einige Male durchgeführt haben. Ziel dieser Veranstaltungen ist es, zwei bis drei der Brandenburger Abgeordneten im Europäischen Parlament bei einer Diskussionsveranstaltung mit interessierten Wähler_innen zusammenzubringen. Der Titel „Europa kontrovers“ deutet an, dass auch kritische Töne absolut erwünscht sind. „Es war zu Beginn für einige schwer, sich vorzustellen, dass so ein Format auch in Seelow oder Rathenow funktionieren kann. Da war für einige Gäste eine Schwelle, denn bis Berlin und Potsdam reisen alle. Aber dann noch mal in den Zug umzusteigen, um vor kleinerem Publikum zu sprechen, brauchte ein wenig Überwindung,“ so die Ko-Organisatorin. Aber nun hätten schon fünf Bürgerforen stattgefunden, die Resonanz sei gut und die Abgeordneten seien längst von dem Format überzeugt, freut sich Frau Kurth.

Luft nach oben

In dem Gespräch lässt Frau Kurth aber immer wieder blicken, dass sie sich wünschen würde, wenn die zahlreichen weiteren Angebote des EDIC in etwas größerer Zahl abgefragt würden. Zwar könnte die Einrichtung selbst keine Projekte fördern, weil auch sie mit relativ knapp bemessenen Ressourcen auskommen müsse, aber als Mitglied im EDIC-Netzwerk verfüge die Einrichtung über ein breites Netzwerk in ganz Europa. Nicht nur, dass immer wieder Anfragen für potentielle Projektpartner in der Region aufliefen. Auch Träger aus der Region könnten auf der Suche nach EU-bezogenen Projektpartnerschaften Anfragen an das EDIC-Netzwerk stellen. Nicht zuletzt die Kontakte zum „Team Europe“ machen das Europe Direct Netzwerk zu einem lohnenden Ansprechpartner. Das Team Europe besteht aus einem Pool von Expertinnen und Experten, die mit unterschiedlichen Spezialgebieten für verschiedene Veranstaltungsformate mit unterschiedlichen Zielgruppen gebucht werden können (Die Referent_innen finden Sie hier nach Regionen geordnet. Sie können auch direkt kontaktiert werden. Alternativ ist hier die Auflistung nach Themen zu finden).

"Entdecke Europa" (Grafik: Europäische Kommission)

„Entdecke Europa“ (Grafik: Europäische Kommission)

Im Zweifel lohnt es sich fast immer, bei EU-bezogenen Fragen, ob zu europäischen Förderinstrumenten oder aktuelle politische Entwicklungen, eines der EDICs zu kontaktieren, auch wenn es sich um Spezialfragen dreht, denn die EDICs können zumindest Personen vermitteln, welche die Anfragen beantworten können. „Es ist zum Beispiel im Dschungel der europäischen Förderprogramme manchmal schwierig, das zu finden, was man eigentlich sucht,“ sagt Frau Kurth verständnisvoll. Sie selbst sei in so einem Fall selbst keine Expertin, was das neue europäische Förderprogramm Erasmus+ angeht. Jedoch werden die EDICs sich bemühen, Sie an die richtigen Ansprechpartner_innen zu vermitteln.

Zu guter Letzt sei natürlich erwähnt, dass die zahlreichen Publikationen kostenlos abgeholt werden können. Zwar sind fast alle Publikationen der EU-Organe durch den EU-Bookshop, teilweise in allen offiziellen Sprachen der EU, erhältlich. Jedoch kann bei den Tausenden von Dokumenten schnell den Überblick verlieren. Außerdem können einige Publikationen nicht in den gewünschten Mengen bestellt werden. Meistens weiß das EDIC in der Nähe Rat, kann Bestellungen in Klassensatzumfang vornehmen oder hat sie gleich auf Lager. Einfach kontaktieren oder zu den Öffnungszeiten vorbeikommen, zum Beispiel in Frankfurt an der Oder:

Öffnungszeiten:
Mo.: 10.00 – 17.00 Uhr | Di./Do. 10.00 – 18.00 Uhr | Fr.: 10.00 – 12.00 Uhr | Mi. geschlossen
 
Kontakt
Europe Direct Informationszentrum
Lindenstraße 5 | 15230 Frankfurt/Oder
Tel.: +49 (0) 335 – 500 41 01
E-Mail: europedirect@euroregion-viadrina.eu
Web: www.euroregion-viadrina.de | Facebook

Text: Frank Segert / euroBBa.de / CC-BY-SA
Grafiken mit freundlicher Genehmigung wie angegeben