Europa, gleich um die Ecke: Das Kindermedien-Netzwerk Radijojo in Berlin

Radijojo produziert Radiosendungen für Kinder und Jugendliche, gemacht von Kindern und Jugendlichen aus aller Welt. Dabei beschäftigen sie sich unter anderem mit Entwicklungsthemen und lernen alles, was zu einer Radiosendung dazugehört. euroBBa.de hat sich mit Projektleiter Mirco Reimer über Radijojo und das aktuelle Projekt „Kids Shape the Future“ unterhalten.

Logo: RadijojoUnscheinbar sehen die Büros des „World Children’s Media Network“ Radijojo im Berliner Haus der Jugend aus. Dabei werden hier seit 2003 Radiosendungen für Kinder und Jugendliche geplant und umgesetzt, lokal und weltweit in über 100 Ländern. „Es geht darum, die Kinder zu beteiligen. Wir wollen etwas für die Zukunft mitgeben und gleichzeitig die Mediennutzung erklären und Berufswege wie die des Journalisten aufzeigen“ erklärt Projektleiter Mirco Reimer.

Werbefrei, gemeinnützig und partizipativ

Die jungen Teilnehmenden der zahlreichen Projekte werfen dabei „eine eigene Vision in den Raum“ und lernen gleichzeitig Techniken wie das Führen von Interviews, das digitale Schneiden und das Präsentieren von Texten. „Kinderrechte, Umwelt, Gesundheit, Frieden, Nachhaltigkeit und Partizipation, das sind unsere Themen, wir richten uns aber auch nach aktuellen Themen wie der Flüchtlingsproblematik“, berichtet Mirco. Sie wollen „über Bilder Vergleiche herstellen, nicht über Vorurteile“. In Skype-Konferenzen sehen deutsche Kinder beispielsweise den Alltag von Kindern in Marokko oder Nordamerika und können sich somit ein eigenes Bild von der Welt schaffen.

Musik, die nicht jeder kennt

Kids bei Alex Berlin

Kids bei Alex Berlin

Bei den vielen unterschiedlichen Projekten von Radijojo kann man schnell durcheinander kommen. Daher erklärt Mirco, wie ein Projekt aussehen kann: „Wir sind fünf Tage vor Ort in einer Schule und dann wird ganz intensiv an einem Thema gearbeitet. Wenn es fertig ist, wird eine Radiosendung daraus. Da ist eine Moderation drin, da sind Skype-Konferenzen drin, Experten-Interviews, Straßenumfragen und Musik sowie Beiträge, welche die Kids selbst recherchiert haben.“ Am Ende der Projekte steht immer ein Audiobeitrag mit dazugehörigem Web-Auftritt. Dabei besteht eine Sendung in der Regel aus 60 Prozent Text und 40 Prozent Musik. „Wir versuchen Musik zu spielen, die nicht jeder kennt und an die man schlecht herankommt.“ Auch hier können die Kids selbst auswählen oder sogar selbst singen, wie Mirco berichtet.

Das Angebot von Radijojo spricht vor allem Kinder zwischen 3 und 13 Jahren an, aber auch Projekte wie „Chance Europa 2020“ im Rahmen von Jugend und Politik im Dialog gehören zum breiten Angebot, das Radijojo abdeckt.

Kooperationen mit anderen Sendern

Der Inhalt der Projekte wird dann in eine einstündige Sendung gepackt und entweder selbst bei Radijojo ausgestrahlt oder anderen Radiosendern wie Alex Berlin angeboten. Sogar bis in die Türkei wird gesendet: Das freie Radio von Istanbul, „Acik Radyo“, spielt wöchentlich ein Musikformat von Radijojo. Produziert wird nachhaltig, so „dass man es auch noch in fünf Jahren hören kann und das dann auch in mehreren Sprachen“, erklärt Mirco.

Kids Shape the Future – Europäische Entwicklungspolitik, Kinderrechte und die Post 2015 Agenda

Im Rahmen des Europäisches Jahres für Entwicklung läuft aktuell das Projekt „Kids Shape the Future. „Es geht darum, die Frage zu klären, was passiert nach 2015? Dieses Jahr enden die UN-Milleniumsentwicklungsziele und da fragen wir die Kinder, was soll sich konkret ändern? Was wünscht ihr euch?“ Mirco und sein Team führen dazu vier Workshops zu den Themen Kinderrechte, Bildung, Gesundheit und Umwelt an Schulen durch. Dabei erarbeiten die Kinder dann ihre Standpunkte zur Frage, wie die EU in der Welt aktiv werden kann, um Menschen in Entwicklungsländern zu unterstützen.

Hier hört Ihr ein Beispiel von Kids aus Hamburg, die das thematisiert haben:

Preisgekrönte Projekte

Das Engagement von Radijojo wurde bereits vielfach ausgezeichnet: 2013 erhielten sie den Kindermedienpreis der Bundeszentrale für politische Bildung sowie für das Projekt „Media Sommercamp“ die Goldene Göre vom Deutschen Kinderhilfswerk. Aber natürlich bleiben auch dem Kindermedienmacher, der Kontakte in alle Welt pflegt, noch unerschlossene Regionen: Mirco träumt davon mit den Kids gemeinsam irgendwann „mit den Leuten einer Raumstation im All sprechen zu können“ und daraus eine Sendung zu basteln. Ob es auf dem Sommercamp im August in Berlin schon geklappt hat mit einer Schalte in den Weltraum, erfahrt Ihr auf www.radijojo.de.

Kontakt:
Mirco Reimer
Radijojo gGmbH / radijojo | world children’s media network
Haus der Jugend
Reinickendorferstr. 55 | 13347 Berlin
E-Mail: mirco.reimer@radijojo.org
Web: www.radijojo.de | Facebook

Text: Victoria Scherff